Vorsicht mit Perspektive oder Perspektive mit Vorsicht?

Inzwischen werden Bund- Länder Treffen zu Corona schon zu einer Art Slapstick. Immer dabei der redegewandte Markus Söder, von dem das Zitat in der Titelzeile ist, mit einer deutlich zurückhaltenden Kanzlerin, oft auch unser Gesundheitsminister, gestern mit Berlins regierendem Bürgermeister, Müller. Jeder redet und jeder redet ein bisschen anders und ordnet es anders ein und denkt dazwischen nach und verbessert sich noch einmal und ach jaa ihr armen Mitbürger ihr tut uns ja auch so leid, aber wir können nicht anders.

Wenn man während dieser Pandemie einmal ins französische Fernsehen zu Emanuel Macron umgeschaltet hat, weiss man wie unterschiedlich das laufen kann. Wird in Frankreich eine stets zu den Hauptnachrichten stattfindende Pressekonferenz angekündigt, dann ist das Volk vorbereitet: Es wird etwas angekündigt, etwas was nicht angezweifelt wird, sondern ab da felsenfest steht. Hinter ihm die französische Flagge, begrüsst er seine „Chers compatriots“ (und natürlich auch die weiblichen), spricht etwa 20 Minuten staatstragend, danach erklingt die Marseillaise und man hat fast Mühe zu Hause vor dem Fernseher nicht aufzustehen und dem Ganzen den entsprechenden Respekt zu zollen, so gross ist das und klar und man möchte fast vergessen, dass dazwischen noch härtere Massnahmen angekündigt wurden und immer noch kein Franzose in seine geliebten Restaurants darf oder abends raus oder was auch immer. Ich bin jedes Mal wieder hingerissen, wie dieser kleine, etwas schmächtige und blasse Mann es schafft, sein Land auf Linie zu halten.

Aber halt, vielleicht ist es gar nicht Macron, sondern einfach nur das zentral regierte Land?

Wir haben eine Bundeshauptstadt und dann dieses wunderbare, in der Pandemie unglaublich negativ erprobte System des Föderalismus, in dem jedes Land Dinge selbst entscheiden will und darf. Eigentlich sind wir gar nicht Deutschland – wir sind Sachsland, Thüringland, Bayernland, das Schwabenländle, das Saarland (ha!), Mac-Pom-land und so weiter und so fort. Will man sich also als gesetzestreuer Bürger auskennen, empfiehlt es sich nicht auf Bundeswebseiten zu gehen, sondern auf die Webseite des entsprechenden Landes: Nichts genaues weiss man nicht, ändert sich auch jede Woche, aber glauben Sie auf keinen Fall nur der Bundesregierung: es entscheidet das Land.

Wie man unschwer erkennen kann, habe ich die Nase ziemlich voll, also bleibt nur noch Spott. Um uns herum verkümmern die Kinder, die Wirtschaft liegt allmählich am Boden, Rentner warten und warten auf eine erste Impfung ohne, dass etwas passiert, aber seit gestern wissen wir:

DIE FRISEURE ÖFFNEN!

Ist es nicht genau das, worauf wir alle gewartet haben? Sitzt erst unser Haar, kann uns auch die Mutation nichts mehr anhaben. Ganze Kinderscharen haben wieder eine akkurate Frisur und sind nicht mehr so einsam wie vorher. Rentner, die sich seit einem Jahr nicht raustrauen, können eine Videoschalte zum Friseur beantragen und sich zeigenlassen, wie sie ihr Haar selber schneiden. Abiturienten können sich vor einem Abi, von dem sie nicht wissen, wie es aussehen soll, nach Monaten ohne Unterricht eine pinke Proteststrähne färben lassen und ach Mensch, warum hat eigentlich niemand gestern die Kanzlerin gefragt, ob auch die Hundesfriseure öffnen dürfen? Das hat doch sicherlich ebenso enorme Auswirkungen auf uns wie der Friseurtermin. 10,4 Millionen Deutschen haben einen Hund, das hat doch Wichtigkeit, Herr Söder, Frau Merkel!

Ich für meinen Teil habe fertig! Mit diesen Entscheidungen, die keine sind und uns weiter in Ratlosigkeit zurücklassen. Warum nicht einfach sagen wie es ist? Alle 2 bis 3 Wochen eine Ansage: nein die Zahlen sind noch nicht ok, die Mutation ist nicht einschätzbar, weitermachen, die Impfungen vorantreiben und dankbar sein, dass wir noch keine Ausgangsperren haben.

Gestern sagte mein spanischer Osteopath zu mir, „irgendwann wird alles gut und so schlecht ist es hier doch nicht, das Schlimmste ist doch, was mit der Wirtschaft und den menschlichen Schicksalen dahinter passiert.“ S. hat seine Eltern seit einem Jahr nicht gesehen. Sie leben in einem Dorf an der spanischen Küste, das immer noch abgeriegelt ist, keiner kommt raus und keiner rein, seit Monaten. Es würde mich interessieren, wie sie die Debatte darüber finden, wann die Friseure öffnen, aber ich fürchte sie würden einfach nur lauthals lachen oder mich für verrückt halten…

Saturn und Uranus im Quadrat oder warum es sinnvoll ist, einfach das Beste aus allem zu machen…

Kennen Sie dieses Gefühl in einem Film zu sein? Sie sind nicht der Hauptdarsteller, sondern irgendein Nebendarsteller und alles läuft an ihnen vorbei mit der perfekten Film Musik. Das Leben verlangsamt sich und man beobachtet die Welt aus einer Art Vogelperspektive, mit leiser Wehmut darüber, warum man nicht häufiger diese Art Einblicke in sein eigenes Leben hat.

Irgendwie so fühlte ich mich gestern Abend, als ich auf dem Fensterbrett meiner Frauenarztpraxis saß, um durch die blöde chirurgische Maske auch nur einen Hauch Luft zu bekommen und dabei vier Gänsen beim Landen auf dem wunderschönen Kanal vor dem Fenster zuguckte. Völlig erstaunt stellte ich fest, dass sie den Isarnixen (Synchronschwimmerinnen aus München) glichen, die ich früher so bewundert hatte, weil jede ihrer Bewegungen auf die Sekunde und den Zentimeter genau abgestimmt schien und selbst bei der Landung im Wasser keiner auch nur einen einzigen stilistischen Fehler machte. Auf den Geschmack gekommen beobachtete ich begeistert eine kleine Ente, die mir beeindruckend klarmachte, dass das Paddeln ihrer winzigen Füsse dafür sorgte, dass sich der Isekanal hinter ihr in einem beinahe 20 Meter langen Pfeil nach aussen teilte.

Wunderschön.

Und ja ich bin noch ganz bei Sinnen. Es ist nur so, dass dieses seltsame Leben, das wir alle seit nun mehr einem Jahr führen manchmal dazu führt, dass man die Dinge intensiver wahrnimmt, als sonst. Nicht so selbstverständlich und vor allem nicht so schnell.

Verstärkend kam noch hinzu, dass ich jede Form der Krebsvorsorge HASSE. Ich beneide Männer, die im Prinzip nie zu so etwas gehen. Frauen wachsen damit auf, sich um ihren Körper zu kümmern. Ob sie wollen oder nicht. Männer gehen erst, wenn irgendein akuter Schmerz so schmerzt, dass man nicht mehr weggucken kann.

Naja, wie auch immer, auf jeden Fall sass ich und sass ich, weil man bei diesen Abendterminen alle Zuspätgekommenen des gesamten Tages ausbaden muss und mir ging vieles durch den Kopf: Hoffentlich bin ich gesund war natürlich an 1. Dann ging es weiter mit, wie lange geht das hier eigentlich noch, warum rudert selbst eine so zähe Frau wie Frau Merkel auf einmal zurück, schade dass wir (also eigentlich meine Tochter) nun doch am Donnerstag (den für kurze Zeit zum Ruhetag erklärten) die Mathearbeit schreiben müssen, von der wir wenig bis nichts verstanden haben. Werden wir alle jemals wieder ohne schlechtes Gewissen in den Urlaub fahren, wann umarme ich Menschen wieder ohne Angst, werden sie all diese Desinfektionsspender abbauen, wenn es vorbei ist oder machen wir sie zu Gedenk-inseln? Muss ich jetzt immer und ständig kochen, was ist eigentlich ein normales Leben? Wieviele Schnelltests muss meine kleine Tochter noch machen, wenn die Schule noch xx Wochen bis zu den Sommerferien geht, sie jede zweite Woche hindarf, zwei Tests pro Woche gemacht werden sollen, die Schulen aber ab einer Inzidenz von 200 schliessen…Ähhhhh..?

Irgendwann wurde diese seltsame innere Fragerei unterbrochen von meiner Ärztin, die mich hereinholte und circa 20 Minuten später von der Frage erlöste, ob da eventuell etwas sein könnte. Befreit fuhr ich nach Hause und merkte schon während der Fahrt, dass der virtuelle Elternabend in der Klasse meiner Tochter begonnen hatte. Corona 2021 bedeutet, dass Eltern sich vor einem schwarzen, dunklen Bildschirm (keiner möchte sich zeigen, auch der Lehrer nicht) zu Fragen ihrer Kinder austauschen und da niemand den anderen sieht, ist es auch egal wo man ist. Ich für meinen Teil war zunächst im Auto, auf dem Schoss ein chinesisches Take Away Essen und begann mir auf diese Weise alles zum Thema Leistungsbewertung anzuhören. Wie man die Hand heben konnte, um sich einzubringen, war mir leider nicht ersichtlich, also hörte ich zu und fuhr gemütlich nach Hause. Dort angekommen machte ich mir mit dem Klassenlehrer und 25 Elternpaaren was zu trinken, ging auf Toilette, fotografierte meine süsse Tochter mit Katze und hatte immer den Computer im Schlepptau, durch den so wichtige Durchsagen kamen, wie und wann der Sexualkundeunterricht stattfinden kann in Corona Zeiten oder ob „der Junge im gestreiften Pyjama der geeignete Lesestoff sei für 13 jährige. Zudem lernte ich, dass ein Klassenlehrer nur ein Klassenlehrer ist und nicht all unsere Probleme lösen kann und dass die Fachlehrer die Fachlehrer sind (!). Dass viele Eltern unglücklich sind, was ja nun wirklich nichts Neues ist und dass vor allem das Fach Sport unterm Strich echt schlecht wegkommt. Frustriert nach diesem verrückten Tag zwischen Krebsvorsorge, Elternabend und vielen anderen Dingen, die ich lieber nicht erwähne, beschloss ich ins Bett zu gehen, das Handy endlich auszumachen und stattdessen mal wieder ein neues Buch in die Hand zu nehmen. Und wer hätte das gedacht? Das Buch war der „Burner“ (die Geissens muss ich nun leider auch immer gucken, neben GNTM, daher lerne ich viele wertvolle Ausdrücke) . Da schon die ersten 20 Seiten wahnsinnig gut waren, hier die Empfehlung:

Die Autorin Laurie Gottlieb ist selber Psychotherapeutin und schreibt natürlich über genau das. Über witzige und schreckliche Klienten (Patienten) und über die Protagonistin, als sie selber einen brauchte.

Und zum Schluss ein kleiner Nachklang von der angehenden Astrologin. Meine Tutorin tröstete mich gestern damit mir zu sagen, dass an allem da draussen ein Quadrat Mitschuld hat (ein Aspekt, der immer wieder für Spannungen sorgt): Uranus (steht für Freiheit) und Saturn (steht für Grenzen und Einschränkungen) behindern sich schon eine Weile und tun das noch bis zum Sommer. Wer hat uns mehr Freiheit genommen, als Corona? Richtig, meine Deutung also: im Sommer wird endlich alles besser! Also schnell den Urlaub buchen und raus in die schöne Welt …ausser natürlich es taucht ein neuer, doofer Aspekt auf, aber nach so was gucke ich lieber gar nicht erst.

Mein persönlicher Weltfrauentag oder wie ich vor 20 Jahren lernte mein Leben zu schätzen

Als ich vor 20 Jahren an diesem 8. März beinahe mein Leben verloren hätte, war mir nicht klar, dass dieser Tag auch gleichzeitig Weltfrauentag war. Heute denke ich: wie passend, denn Frauen haben mein Schicksal bestimmt.

Frauen waren es, die mich damals offensichtlich krank nach Hause schickten. Ich hatte nach längerer Arbeitslosigkeit einen Traumjob bekommen und startete in Mainz meine Karriere als Nachrichten-Moderatorin. Schon am ersten Tag dort war mir schlecht, mein Magen tat weh und ich fühlte mich sehr, sehr krank. Doch anstatt sich um mich zu kümmern, war ich sauer, verärgert über mich und meine Schwäche. Meine Übersetzung lautete: Du hast eine Magenschleimhautentzündung, völlig klar, du bist ja auch so aufgeregt vor dem neuen Job.

Die Schmerzen wurden jeden Tag schlimmer und jeden Tag schickte meine Chefin mich von der Arbeit wieder heim ins Hotel in Mainz. Ich sei grün im Gesicht, ich sähe nicht gut aus, ich solle zum Arzt. Und ich? Spuckte im Hotel, wand mich vor Schmerzen und wollte dennoch so tough sein, dass ich immer wieder kam, wie ein Bumerang, den man nicht loswerden konnte, bis es nicht mehr ging.

Ich werde nie vergessen, wie ich schliesslich im Flugzeug von Frankfurt nach Hamburg von den Stewardessen in den Gang gelegt wurde, weil ich nur noch auf dem Rücken liegen konnte und am Gate mit einem Rollstuhl abgeholt wurde. Es war mir alles so peinlich, ich wollte doch immer nur stark sein.

Meine Weltfrau wurde damals meine Freundin Julia, die ich bis heute an jedem 8. März feiere. Ich hatte damals 2 Freundinnen, die mir immer geholfen hätten, aber aus einem Instinkt heraus, hatte ich die „Richtige“ angerufen. Während die eine wirklich alles getan hätte, um mich nicht zu verärgern, blieb die andere hart, als ich ihr am Flughafen befahl, mich nach Hause zu fahren. Sie bestand darauf das nächste Krankenhaus anzusteuern.

An den Rest erinnere ich mich nur noch vage.

Sicher ist, dass das UKE in Hamburg uns – obwohl ich kaum noch stehen und gar nicht mehr gehen konnte – erklärte, sie hätten keine Zeit und die Wartezeit würde mindestens 6 Stunden betragen.
Sicher ist, dass ich danach im Auto ohnmächtig geworden bin, zumindest sagte das meine Freundin. Sie steuerte ein Krankenhaus an, was sie auf der Strecke zum Flughafen gesehen hatte und brüllte dort die Bude zusammen. Und obwohl man dort keine Notaufnahme hatte und mich auch nicht wollte, schaffte es J. Sie nahmen mich auf, untersuchten mich und brachten mich sofort in den OP. (Verrückterweise waren es zwei Frauen, die mich operierten und eine AnästesistIN.. Wir hielten danach über Jahre Kontakt.)

Aufgewacht bin ich auf der Intensivstation. Ich hatte einen Blinddarmdurchbruch mit dem ich tagelang durch die Gegend gelaufen war, der Eiter hatte sich schon im kompletten Bauchraum verteilt und jede weitere Minute hätte mein Tod sein können.
Ich brauchte Wochen und Monate, um dieses Trauma zu verarbeiten und ich bin nicht einmal sicher, ob ich es bis heute verarbeitet habe, denn selbst jetzt beim Schreiben fühlt es sich schwierig an.

Warum? Weil ich – und da wären wir wieder beim Weltfrauentag – verstand, dass ich so sehr „meinen Mann stehen wollte“, dass ich beinahe mein Leben verloren hätte. Ich wollte tapfer und stark und toll sein und hätte am Ende nichts mehr davon gehabt.

Heute sitzen meine beiden tollen Töchter neben mir und sind auf dem Weg zwei authentische und furchtlose Frauen zu werden und ich gebe mir viel Mühe ihnen beizubringen, dass man auf seinen Instinkt hören muss und das nichts wichtiger ist als Gesundheit.

Meine Kinder wissen, dass meine Freundin Julia auf IHREN Instinkt gehört hat und lieben sie dafür, so wie ich auch.

Ich bin so dankbar für diese 20 Jahre, die mir zusätzlich geschenkt wurden und in denen ich aufgrund dieses Schlags so viel gelernt habe ( es kamen natürlich noch viele weitere dazu, einige gesundheitliche resultierten aus dem Blinddarmdurchbruch – ALLE haben mich vorangebracht)

Und heute an diesem Weltfrauentag 2021 sitze ich hier und lese all die schönen, berührenden, mutigen Geschichten über Frauen, die immer noch dafür kämpfen MEHR gehört zu werden und sich WENIGER beweisen zu müssen.

In MEINEM Leben ist JEDEN Tag Weltfrauentag.
Ich muss mich nicht mehr beweisen und steuere keine Karriere mehr an.
Aber ich habe noch viel vor mit all den klugen und weisen Frauen um mich herum. Das Leben geht jetzt erst richtig los! Mit 50 ist erst die Hälfte rum. Mit der Frau von damals, die kurz vor ihrem 30. Geburtstag stand habe ich nicht mehr viel gemeinsam. Manchmal erscheint es mir völlig fremd, wer ich damals war und vor allem sein wollte. Aber auch das gehört zum Leben dazu. Alle Facetten einzusammeln, zu leben, zu akzeptieren und weiterzumachen. Heute bin ich glücklich, ich hoffe ihr alle seid es gerade auch. Ungeachtet von Corona und allen Problemen, die die Welt gerade hat möchte ich heute einmal mit dem Zitat eines tollen MANNES enden, der mich immer wieder aufrichtet, wenn ich mich verliere.

Eckhart Tolle:

Zeit ist überhaupt nicht kostbar, denn sie ist eine Illusion. Was dir so kostbar erscheint, ist nicht die Zeit, sondern der einzige Punkt, der außerhalb der Zeit liegt: das Jetzt. Das allerdings ist kostbar. Je mehr du dich auf die Zeit konzentrierst, auf Vergangenheit und Zukunft, desto mehr verpasst du das Jetzt, das Kostbarste, was es gibt.

Corona Chaos zum Lachen

Ich würde so gerne einmal sammeln, was so überall in Coronazeiten passiert, was niemand mitbekommt. Leider erzählen die meisten nichts von all den peinlichen oder verpassten Momenten, die wir eigentlich so gerne hören und sehen würden.

Wir haben in den vergangenen 24 Stunden ein paar so witzige Patzer zu vermelden, dass diese jetzt zu Papier gebracht werden müssen.

Dass unsere Katzen grundsätzlich bei Videokonferenzen auf die Tastatur steigen und damit ganze Klassen und im besten Falle auch Lehrer zum Lachen bringen, sei nur einmal am Rande bemerkt.

Lustiger wird es aber immer dann, wenn er/sie/es nicht merkt, dass das Mikro an ist oder die Kamera und Dinge passieren, die nicht passieren sollten. In der Klasse meiner kleineren Tochter (6.Klasse) war gestern der Unterricht in vollem Gange, als man auf einmal sehr laute Musik hörte und ein Kind dazu sang. Dummerweise war es nicht der Musikunterricht, sonder eine gelangweilte Schülerin, die auf Durchzug geschaltet hatte und parallel auf dem Handy TicToc Videos schaute. Die Klasse freute sich, die Lehrerin nahm es überraschend gelassen.

Mein Mann liegt derzeit mit einer unschönen Viruserkrankung flach und kämpft sich dennoch tapfer 12 Stunden am Tag durch Managementkonferenzen, die meiste Zeit mit Videoschalte, manchmal auch ohne, wenn er mal längere Zeit NUR zuhören muss. Gestern war Vorstandsmeeting in Paris, was man sich in etwa so vorstellen darf, dass etliche wichtige Menschen in einem grossen Raum sitzen und über grosse Monitore diejenigen sehen, die zugeschaltet sind. Meinem Mann ging es mittags gar nicht gut, also legte er sich aufs Bett und schloss kurz die Augen (was in 18 gemeinsamen Jahren glaube ich genau 2 Mal vorgekommen ist) und vergass die Bildübertragung auszuschalten. Also liefen die Bilder aus unserem Schlafzimmer schön live nach Paris. Die hastig geschriebene Email einer Kollegin wies ihn daraufhin, dass er gerade Live übertragen wurde. Beim Abendessen haben wir so gelacht wie lange nicht mehr, was für ein wunderbares Bild mitten in dieser perfekten Management Welt. Selbst mein Mann musste lachen und der achtet sonst so sehr auf Disziplin und Perfektion, dass er mir schon manchmal unheimlich ist.

Ebenso lustig gestern war die Whats app einer Freundin, die mir schrieb, dass ihre schönsten Momente gerade die sind, wenn sie alleine im Auto sitzt und einen Café trinkt. Zu Hause findet sie kaum Ruhe daher liebt sie – so wie wir alle- ihr Auto. Privates Wohnzimmer vieler Menschen in Corona Zeiten, warm, gemütlich, mit Musik. Einfach Top!

Während sie mir noch schrieb, dass sie jetzt heimgehen würde, da sie wüsste, dass die Kinder gerade online Unterricht hätten und ihr Mann im Büro sei und sie eine echte Chance auf Zeit für ihren Job hätte, kam schon die nächste Whats App hinterher. Alles hatte sich in Sekundenschnelle bei ihr geändert, ihr Mann war doch da, die Kinder hatten keinen Unterricht und stritten sich stattdessen – das übliche eben. Keine Planbarkeit.

Ich schrieb ihr ein paar beruhigende Worte, während ich über meinen eigenen Tag nachdachte. Morgens hatte ich es zumindest geschafft ein Webinar bis zum Ende zu hören, dann kochte ich ewig, dafür, dass das ganze Essen nur ca. 6 Minuten dauerte und die Kinder danach lautstark stritten, wer mit Küchendienst dran sei und ich entnervt aufgab und selber aufräumte. Kurz darauf durfte ich Corona Test Proben meines Mannes durch die halbe Stadt zum Labor fahren, weil er beim Arzt zu spät gekommen war und das Ergebnis brauchte, damit man ihn heute überhaupt über Frankreichs Grenzen hineinlassen würde. Als ich das geschafft hatte, schrieb mir meine immer noch im Pyjama dahinlebende grosse Tochter , sie brauche einen Snack. Wir dealten, dass sie erst an die Luft müsse und dann etwas bekommen würde (Snack heisst bei ihr es muss was Süsses sein)..Raus wollte sie auf keinen Fall, räumte aber zumindest die Spülmaschine aus.

An der Tanke fiel ich über eine Tüte gebrannte Mandeln, die mich sehr anlockten und ich beschloss sie ihr und mir mitzubringen. Ich fuhr also nach Hause, stolperte über den Müllsack an der Treppe, den seit 11 Uhr morgens niemand einfach mal zur Tonne gebracht hatte (obwohl natürliche etliche Familienmitglieder an ihm vorbeigekommen waren), ärgerte mich sehr und betrat unser Haus. Alles schien friedlich, ich gab V. die Mandeln, wusch meine Hände und im nächsten Moment brannte die Mikrowelle. Etliche Löschversuche später klärten wir, dass Papiertüten nicht in eine Mikrowelle gehörten und mein Kontingent für diesen Tag aufgebraucht war.

die verbrannten Reste der Mandeltüte

Ich machte das, was Männer in so einem Fall gerne machten. Ich holte mir eine Flasche Bier, stellte den Fernseher an und ignorierte das Chaos um mich herum. Wunderbar. So darf es ab jetzt immer sein.

Ein Hase auf dem Sprung und neue Herausforderungen

Kennen Sie das, wenn man mitten in der Nacht aus den tiefsten und schönsten Träumen gerissen wird und nicht weiss, wo oben und unten ist, während jemand schon mit einem redet (aus dessen Mund übrigens genauso gut bunte Luftblasen kommen könnten, da man eh nichts versteht)?

So ging es mir heute Morgen. Gut, ich muss zur Ehrenrettung meiner Tochter einiges richtig stellen: erstens war es nicht Nacht, sondern 7 Uhr morgens. Zweitens suchte sie ihr Schul iPad, was ich Abend für Abend verstecke, da ich Angst habe, dass die Kinder es in dieser leicht verlotterten Corona Homeschooling Zeit sonst sicherlich auch nochmal nachts herausholen würden, um mit ihren anderen, nicht schlafenden Freunden Kontakt aufzunehmen.

Also kurz und gut, es war 7 Uhr und eine normale Mutter hätte längst fröhlich pfeifend, adrett angezogen am Herd stehen müssen, um wahlweise gesundes Müsli oder Obstsalat zu servieren, doch leider leide ich von Sonntag auf Montag immer an Wochenendjetlag und schlafe einfach nicht ein und so fühlt sich Montag Morgen 7 Uhr an, wie Sonntag Nacht 4 Uhr.

Hinzu kam, dass ich in einem wunderschönen Traum gefangen war, aus dem ich unter keinen Umständen heraus wollte. Ich sass mit mehreren Menschen auf einer wunderschönen Party, alle ohne Masken, alle komplett unbedarft und in unserer Mitte sass ein grosser Hase im Smoking, der unwahrscheinlich unterhaltsam war. Erstaunlicherweise hatte er von jetzt auf dann Skier an den Pfoten und setzte gerade zu einem beeindruckenden Weitsprung an, …..

als die nächste Corona Woche begann.

also meiner im Traum war dicker, pelziger und hatte einen anständigen Smoking an..

Gott war das traurig. Lange her, dass ich so viel Spass auf einer Party hatte und dann auch noch ein skispringender Hase. Ich muss unbedingt meine Freundin C. fragen, ob sie da eine Art Traumdeutung vornehmen kann. Meistens steht es ja leider nicht für das Naheliegendste: also nach dem Motto, du würdest dich gerne mal wieder schick machen und schminken und ausgehen, auch wenn dir kein Kleid mehr passt, weil du zu viel gegessen hast in den letzten 11 Monaten, aber der Hase ist sorglos und sagt dir: Geh Skifahren, da verbrennt man Pfunde und hat Spass!

Nein das wird es wohl nicht sein..Im Internet steht der Hase für Glück und eine positive Zukunft. Und er symbolisiert eine grosse Kraft, die aus dem Mond und den Sternen genährt werden.

Na bitte, das passt doch zu meinem Montag. Heute nämlich startet meine dreijährige Ausbildung der psychologischen Astrologie und ich habe eigentlich keinerlei Zeit mich mit skispringenden Hasen zu beschäftigen, aber er geht und geht mir nicht aus dem Sinn. Wir zwei waren uns heute Morgen im Traum sehr einig. Nur in was?

Astrologie ist – wie ich finde- ein wunderbares Feld, über das ich hier sicherlich noch viel schreiben werde. Ich interessiere mich schon seit frühester Kindheit dafür und je mehr wir Menschen uns verändert haben in den letzten Jahren und offener für vieles geworden sind, desto mehr kommt auch die Astrologie ins Spiel: nicht die der Könige vor hunderten von Jahren, die wissen wollten ob dieser oder jener Feldzug sich lohnt und gewonnen wird, sondern vielmehr der psychologische Ansatz: Als Instrument der Selbsterkenntnis. Als Anregung, wie man seine Potenziale voll entfalten kann. In diesem Sinne ist auch niemand „Opfer einer kosmischen Konstellation“, sondern jeder hat die Möglichkeit, das Beste aus seinem Leben zu machen.

bis ich das deuten kann, wird wohl noch einige Zeit vergehen

Da ich das generell für ein gutes Lebensmotto halte, habe ich mich in den vergangenen Wochen daran gemacht meinen Körper und meinen Geist aus der Corona Schieflage wieder in eine Gerade zu bekommen. Ich meditiere so regelmässig ich kann, versuche die Dinge, die ich tue mit Genuss zu tun, selbst das Putzen und habe angefangen Online Sportarten auszuprobieren, um mich fit zu kriegen.

Eine Freundin empfahl mir die APP Eversports. Dort kannst du diverse Sportkurse buchen, wo du willst (Paris Zürich, München) und wann du willst. Alles – dank Corona – zu Hause, was ja auch durchaus Vorteile haben kann.

Mein erstes Versuchsfeld war Yoga. Yin Yoga. Das war schön, ich nahm es mir vor nun regelmässig zu machen, es blieb bei einem Mal.

Als nächstes empfahl mir jemand die Yoga Easy Seite, nach dem Motto, da ist für jeden was dabei, auch mal nur 11 Minuten, die bringst du überall unter….Das ist wahr. Brachte ich auch, allerdings nur 2 Mal, dann hatte ich Nackenprobleme, weil ich dauernd so schief zum Computer gucken musste, um die Yoga Übungen zu verstehen. Das Yoga Thema habe ich mangels bezahlbarer Osteopathen, die mich danach wieder einrenken, erstmal abgehakt.

Da ich viele Jahre getanzt habe, beschloss ich: DAS ist es, das MUSS es sein, denn mit Musik geht alles besser und dabei schlage ich quasi gleich 2 Fliegen mit einer Klappe, denn Ballettübungen sind herrlich meditativ und das tut mir gut. Ich suchte mir also einen freien Platz im Dach, klappte den Laptop auf einer Nackenbegünstigten Zone auf, stellte mir einen alten Katzenkratzbaum als Stange auf und legte los.

Und das war richtig schön. Ich war wieder die alte Caroline, die sich einfach nur der Musik hingibt und den immer gleichen, wunderbaren Übungen und obwohl ich viel vergessen hatte, war es doch machbar. Sehr zu gute kam mir sicherlich keinen Spiegel zu haben, wie er sonst im Ballettsaal steht. Mein Inneres signalisierte mir, du bist schön, leicht, elegant und unfassbar graziös. Mein Äusseres, also die fast 50 jährige im Jogginganzug an der Katzentonne war unsichtbar und wurde verdrängt.Ballett bleibt also erstmal mein Favorit. Sollte ich sehr mutig werde, versuche ich es noch mit Modern Dance. Habe ich auch jahrelang gemacht, aber mit ca. 25 aufgehört. Ist ja schon ein bisschen her.

Zum Schluss noch ein Tip für die, die bereit sind sich auch einmal auf etwas Besonderes einzulassen. Über meine liebe Freundin B. die übrigens mehr als 20 Jahre älter ist als ich (aber geistig gewandter und positiver als ich es jemals war) landete ich bei der einzigartigen Alexandra Strueven. Sie hat online etwas ins Leben gerufen, was schwer zu erklären ist, aber grossartig für uns alle. Ob jung, ob alt, ob sportlich oder nicht. Ihre Online Stunde (75 Minuten) heisst Freudenfeuer und ist so etwas wie getanzte Lebensfreude, an der es ja vielen von uns derzeit etwas mangelt.

https://www.alexandraverena.com/was-ist

da sich der Link von Alexandras Seite nicht richtig einbetten liess, nun zumindest ein Foto

Zitat Alexandra:

„FREUDENFEUER ist eine Kombination aus Meditation, geführtem und freiem Tanz – verbunden mit einer herzöffnenden spirituellen Ausrichtung. …. Heute ist Tanzen für mich nicht nur eine tiefe Möglichkeit der Heilung, sondern auch der direkteste Weg zu unserer Intuition, die heilige Verbindung zu unserer innewohnenden Weisheit und Lebensfreude.“

Jeden Dienstag und Donnerstag Abend kann man ab 19 Uhr mitmachen und die Erfahrung lohnt sich. Da ich mich eher schäme vor wildfremden Menschen zu tanzen, steht der Computer so, dass man mich nicht sieht. Ich geniesse das meditative und vor allem geniesse ich die fliessende Abfolge der ganzen Stunde. Es wirklich für jeden etwas, Alexandras Mutter, die sicherlich schon etwas älter ist, war beim letzten Mal genauso dabei, wie sehr viel jüngere Teilnehmer. Und jeder nimmt sich von so einer Stunde, was er braucht. Für mich ist es auf jeden Fall, mich aus dem durchstrukturierten Hier und Jetzt einmal herauszuholen und woanders zu sein, aber dennoch ganz bei mir. Freudenfeuer wird also auch in meinem Kalender ein fester Termin.

Zum Schluss noch eine kleine, feine Anekdote am Rande. Für all die Jugendlichen, die gerade Angst haben, wie unbedeutend so ein 18 jähriger Geburtstag in diesen Zeiten ausfallen kann. Ein nicht näher genannter Jugendlicher feierte neulich Nacht in seine besagte Volljährigkeit hinein. In Hamburg bieten sich dafür derzeit aufgrund von Pandemie Richtlinien ja leider nur die Parks an (was man ekligerweise leider auch tagsüber erkennen kann, als räumt euren Dreck doch nach dem Feiern gerne wieder weg!!!). Also dieser Jugendliche hatte eine Reihe von Freunden in den nächtlichen Park gebeten, zum Anstossen, gemeinsamen Frieren und wenigstens etwas das Gefühl von Party zu haben. Doch kaum hatten sie die erste Flasche Sekt geleert, starrten sie in die blitzgrellen Lichter der herannahenden Polizei, einige schafften es noch wegzurennen, der neue Volljährige dagegen dufte direkt sein erstes Gespräch als Erwachsener mit der Hamburger Polizei führen.. Laut M. wird er diesen 18. nun auf keinen Fall mehr vergessen. Und zur Ehrenrettung der Polizei muss man sagen, sie haben ihm nicht gleich eine Anzeige an die leere Flasche hängt, sondern mit Ermahnungen ziehen lassen.

Ich bin neugierig was die nächsten Tage so bringen an grossen und kleinen Katastrophen. Ich werde weiter berichten, gerade fängt es wieder an zu schneien. Das erfreut das Herz fast aller Hamburger. Nach jahrelangem Regen im Winter ist es endlich weiss. So schön!!!!

Über das tägliche Durchkommen in der Phlegmanie oder heisst es Pandemie?

Es dauert gar nicht mehr lange und wir dürfen den ersten Jahrestag der Corona Pandemie begehen. Warum ich dieses neutrale Wort benutze? Naja normalerweise feiert man Jahrestage, diesen wohl kaum.

Zeit für ein kleines Pandemie Resumée: Im Falle meiner Kinder wäre das ein übergrosses Covid-Phlegma. Je länger das Ganze dauert, desto schwieriger wird es, sie physisch und geistig in Bewegung zu halten. Ist der Online Unterricht morgens erst einmal beendet, ist für beide der Tag auch so gut wie vorbei. Keine weiteren Ziele, keine Ideen, keine Sehnsüchte…ausser online sein. Das Corona Virus hat uns online infiziert. Was Erwachsene wie mich zurück zum Lesen gebracht hat, oder zum ewigen Spazierengehen (auch so ein Phänomen der Krise: da draussen waren noch nie so viele Menschen unterwegs ), treibt die Kinder an die Geräte. Und so negativ es scheint, so verständlich ist es auch. Kinder brauchen ein soziales Leben und wenn es das nicht mehr gibt, so erschaffen sie sich diese Welt anders.

Natürlich probiere ich es immer wieder mit Angeboten und Verboten und vielem mehr. Momentan werden Geräte erst dann wieder herausgegeben wenn die Kinder minimum eine halbe Stunde an der Luft verbracht haben. Meine grosse Tochter fragte mich daraufhin trocken, ob es eventuell reichen würde, dass sie ihr Fenster öffnen würde. Sie war nie sonderlich begeistert von Menschen, während der Pandemie hat sie ihr Interesse an ihnen weiter eingeschränkt.

Die kleinere Tochter geht gerne raus, aber natürlich nicht allein. Mit mir auch nicht (peinlich) . Aber Freunde treffen? Geht nicht. Also bummelt sie ihre Zeit draussen ab und lässt ihren Frust auf unserem neu erworbenen Boxsack im Keller ab.

Vergangene Woche waren wir meinen Mann in Frankreich besuchen. Jedes Land hat sein eigenes Pandemie Dasein und so fanden wir uns Nachmittags in offenen Geschäften wieder und genossen das muntere Pariser Treiben, zwar ohne Restaurants und Cafés, aber dafür waren wir stundenlang draussen und unsere Laune stieg erheblich an. Stressig wurde es dann gegen 17.30, wenn tout Paris in die Läden rannte, um noch schnell etwas zu essen zu besorgen, bevor um 18 Uhr das „couvre feu“, die Ausgangsperre startete und alle zu Hause sein mussten.

Zurück in Deutschland befinden wir uns nun in Quarantäne und unser „Rausgehen“ beschränkt sich auf den Garten, da will natürlich keiner hin und es hilft auch nicht wenn ich zum hundertsten Mal erkläre, wie gut es den Mädchen geht, dass sie so einen tollen Garten haben, während andere maximal auf den Balkon können.

Eine willkommene Ausrede also für alle unser Pandemie Phlegma noch bis zur Unkenntlichkeit auszuweiten und in dieser Disziplin liegen die Kinder eindeutig vorne. Frage meiner kleinen Tochter gestern: darf ich mein Zimmer umräumen? Ich total begeistert: Ja !!!gerne!!!, wie schön, dass du kreativ wirst!!!! Als ich eine halbe Stunde später in ihr Zimmer kam, sah das Szenario so aus: Überall lag Dreck rum und inmitten all der Bilou Sprays, CDs, Fotos und Lichterketten lag meine Tochter auf dem Bett. Auf einem Computer lief eine Serie, neben dem Computer stand ein Handy, auf dem eine Freundin live zugeschaltet war, um genau diese Serie zeitgleich mit anzusehen. Leben in der Pandemie. Definitiv ein Buch wert, wenn es noch ein paar Monate dauert.

Während die Kinder also Serien rauf und runterschauen und das derzeit überall so beliebte Spiel „Among us“ spielen, amüsiere ich mich zum Beispiel über so wunderbare Blogs, wie den des Zeit Magazins. Jeden Tag hebt er mich aus meiner leicht angegrauten Alltagsatmosphäre und gibt mir das gute Gefühl, dass da draussen noch eine Welt voller Esprit, Klugheit und Perspektive existiert. Heute zum Beispiel stiess ich über eine Wakeboarderin, die dort vorgestellt wurde auf einen berauschend schönen Podcast von der britischen Verhaltensforscherin Jane Goodall. Sie ist inwischen 86 und macht etwas, was wir eigentlich alle JEDEN Tag tun sollten, sie verbreitet Hoffnung. Mit ihrer wunderschönen britischen Stimme erzählt sie davon, wie sie in Wales aufwuchs und schon früh lernte, dass es immer Hoffnung gibt und dann kommen viele, besonders schöne Geschichten, die uns Mut machen (sollen). Obwohl ich eigentlich kein Podcast Fan bin, werde ich das jetzt öfter hören. Meditation ist nichts dagegen. ihre Geschichten berühren mich tief und zeigen mir, dass wir mit unserer eigenen Einstellung so viel in dieser Welt verändern können, nur anfangen müssen wir und natürlich verstehen, dass wir es KÖNNEN und nicht immer darauf warten, dass es ein anderer tut.

Ein bisschen neidisch bin ich auf ihren BlogNAMEN. Statt Podcast, heisst er HOPEcast. wieder so eine Idee, die ich nicht hatte. Mist! Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf…:-))

Für meine Kinder hatte ich übrigens ähnlich gute Absichten und hatte ihnen die Zeitschrift Fluter, ein Magazin für politische Bildung abboniert. Alle drei Monate bringen sie es kostenlos heraus und schicken es einem. Gerichtet ist es an – politisch und gesellschaftlich interesssierte Jugendliche, die …naja ihr Wissen eventuell nicht nur aus Tic Toc beziehen wollen.

grossartiger Artikel über Fake news übrigens (deswegen die Pinocchio Nase)

In der ersten Ausgabe, die wir bekommen haben ging es zum Beispiel, um Transgender sein, ein Mädchen, das ein Junge werden wollte, aber nach viel Mühen doch wieder mehr oder weniger ein Mädchen war. Komplizierte Gefühle, die aber sehr gut beschrieben wurden. Ich war mir sicher, dass es meine ältere Tochter interessiert, nachdem sie sich noch eine Woche zuvor mit meinem Mann am Esstisch über die Frage gezofft hatte, ob wir dieses ganze Transgender Ding in unsere Alltagssprache aufnehmen müssen oder nicht.

Wie auch immer, der Artikel war ihr offenbar zu lang. Bei Tic Toc gehts kürzer und in Videoformat. Ebenso spannend war der Artikel über einen ehemaligen KZ Wächter. Sein Enkelkind hatte ihn immer für den lieben, harmlosen Opa gehalten, bis es eines Tages herausgefunden hatte, WER sein Opa wirklich war. Leider war auch dieser Artikel zu lang. Ich lese diese Artikel natürlich alle, die Kinder leider nicht.

Früher – vor Corona – las meine Tochter dicke Bücher, heute muss alles im Clip Format sein. Ich werde der Zeitschrift Fluter schreiben, ob sie einen Account bei Tic Toc starten können. Irgendwie muss man doch den Kindern zeigen, dass es noch differenziertere Meinungen gibt, als die einer 15 -jährigen Beaty Influencerin, die sagt, dass sie Putin cool findet.

Soweit also mein kulturelles Kindergemecker. Irgendwann habe ich sie soweit, das weiss ich und das Prinzip heisst auch da: HOFFNUNG. Womit wir noch einmal bei dem wunderbaren Hopecast von Frau Goodall wären. Wenn es eines ist, was mir diese seltsame, aber auch segensreiche Pandemie in den vergangenen Monaten gelehrt hat, dann ist es, dass wir die Hoffnung NIE aufgeben dürfen. Nicht auf ein Ende der Pandemie und auch nicht bei familiären oder gesundheitlichen Problemen und schon gar nicht, was den Zustand unserer Welt betrifft. Jeder auch nur noch so kleine Funke hoffnungsvoller Energie hilft diesen Planeten am Leben zu halten und unseren Kindern klarzumachen, dass es Hoffnung gibt.

Mein – ich träum mich positiv Trick – ist übrigens, mir alle paar Tage ein besonders schönes Bild auf mein Handy hochzuladen. Da man sein Handy permanent in die Hand nimmt, erscheint dann immer ein Bild, was mich daran erinnert, wer ich wirklich bin oder was mir besonders gut tut.

Diese Woche ist es das:

weitere Erklärungen unnötig, oder? So viel Frieden und Schönheit, ich liebe es

So und nun muss ich die Kinder antreiben – zu was auch immer. Antreiben ist mein neuer Job. Schafft leider extrem schlechte Energien, aber muss sein.

Seelenleben- Einblicke in die jugendliche Psyche

Wer meinen Blog liest, weiß, dass ich von Zeit zu Zeit Bücher vorstelle-meist aus dem Carlsen Verlag- da dieser mich regelmäßig mit Neuerscheinungen beliefert.
Und so stapeln sich auf meinem Schreibtisch, auf Treppen oder neben dem Bett leider ungezählte, ungelesene Bücher, die auf einmal wieder auftauchen und dann spontan von mir gelesen werden.
So geschehen auch heute Nacht, als ich nicht schlafen konnte und zu einem Buch griff, was eigentlich viel zu schwere Kost ist, um Schlaflosigkeit zu bekämpfen.

Das Buch handelt von Jugendlichen, die alle das eine verbindet: Sie haben Probleme und die Probleme sind so groß geworden, dass sie Hilfe in der Klinik gesucht haben. Es ist es nicht einfach diese Fallbeispiele zu lesen, wenn man selber Kinder hat, weil man sieht wie schnell ein junger Mensch in eine Depression oder andere tiefe Störungen geraten kann und wie schwer der weitere Weg ist. Manchmal ist es eine Scheidung, manchmal Mobbing in der Schule, bei einigen sind es die herabsetzenden Kommentare von Eltern oder das mangelnde Selbstbewusstsein in der Pubertät die diese Kinder in eine schwere seelische Schieflage bringen. Umso lesenswerter ist dieses Buch, das von dem in Hamburg sehr bekannten Jugend Psychiater Professor Schulte Markwort in Zusammenarbeit mit der Fotografin Nina Grützmacher herausgegeben wurde.
Jeder Jugendliche berichtet dort Kapitel für Kapitel von sich selbst und seinen Gefühlen und bekommt am Ende eine Antwort von Seite des Psychologen, wie es wohl weitergehen wird, wie sie zusammenarbeiten und was der Jugendliche noch erarbeiten muss. Die Kommentare sind so sensibel und positiv formuliert, dass allein schon das Teil der Therapie sein kann, zu sehen, da glaubt jemand an mich und es gibt Hoffnung.
Für mich war es ein sehr berührendes Buch, da beide Töchter gerade in die Pubertät kommen oder schon mitten drin sind und mit vielen dieser Probleme, die in dem Buch geschildert werden im Kleinen auch zu kämpfen haben.
Für Eltern gilt nach der Lektüre dieses Buches noch einmal mehr: zuhören, annehmen, nicht bewerten und da sein. Und unbedingt im Notfall Hilfe suchen ohne sich zu schämen. Und natürlich dieses Buch lesen ☺️

Warum ich mich auf einmal mit dem Tod und dem Sterben auseinandersetze und das in meiner Familie auf wenig Begeisterung stiess

Der Platz, den ich für meine Asche ausgewählt habe, der Starnberger See bei München

Neulich habe ich meine Familie leicht verstört, weil ich Ihnen dringend erklären musste, wie ich beerdigt werden möchte. Grundsätzlich schiebe ich in diesen Zeiten gerne ALLES auf Corona, aber in dem Fall war ein kleines Buch schuld, das ich mir und anderen zur Weihnachtszeit geschenkt hatte.

Ein Führer durch die Rauhnächte.

https://www.hugendubel.de/de/buch_kartoniert/annett_hering-die_rauhnaechte_im_fluss_der_zeiten_ein_workbook_fuer_die_12_heiligen_naechte_mit_viel_raum_fuer_eigene_notizen-38194910-produkt-details.html?internal-rewrite=true

Nicht nur, dass ich laut Buch täglich räuchern sollte, was ich angesichts all unserer Brandmelder und zweier Kinder, die nicht mit Feuer spielen sollen, dann doch gelassen habe, aber in dem Buch ging es Tag für Tag auch darum, sich mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen.

Einen Tag verzieh ich meinen Ahnen und meditierte darüber, wofür ich Ihnen dankbar bin und was sie bei sich behalten durften und den anderen Tag bedankte ich mich bei den Menschen, die in diesem Jahr besonders gut zu mir gewesen waren. Das Buch war insgesamt eine ziemliche Herausforderung, da all die Themen, die man bearbeiten konnte oder durfte, locker 12 Stunden am Tag in Anspruch genommen hätten. Dummerweise ist das aber für eine Frau in den Tagen vor Weihnachten nicht umsetzbar. Während ich also an meine Ahnen dachte, schleppte ich Getränkekisten von der Metro heran, bestellte Baguette beim Bäcker und sehnte mich nach tieferen, ruhigen Momenten, um das alles wirklich an mich heranzulassen und nicht einfach nur abzuhaken. Manchmal war ich gerade da wo ich sein sollte, da rief eines der Kinder ich solle SOFORT ihr Handy entsperren, manchmal war es eine der Katzen, die sich mit meiner neuen Spiritualität nicht anfreunden konnten und verzweifelt versuchten Wasser aus dem neuen Dampfzerstäuber zu lecken, dessen Weihrauchgeruch mich eigentlich auf grosse Ideen bringen sollte.

Es kam Tag 5 oder war es 6 mit der Aufgabe sich vorzustellen, was wäre, wenn ich in einer Woche, einem Monat oder einem Jahr sterben würde. Bis zu diesem Punkt hatte ich diese ganzen Rauhnächte einfach toll gefunden. Jeden Nacht verbrannte ich einen Wunsch draussen, der direkt zur Erfüllung ans Universum geschickt wurde. Ich dachte viel nach über dieses seltsame und schwierige Jahr und beschäftigte mich jeden Tag damit, dass dieser eine Tag für einen bestimmten Monat im kommenden Jahr stehen sollte.

Alles bis zu diesem Tag mit dem Tod.

Denn nicht nur, dass ich am liebsten gar nicht darüber nachdenken wollte, ich merkte auch, dass im Prinzip NICHTS mehr aus meinem Leben wichtig wäre. All meine Ideen, wie ich noch einmal arbeiten würde, in welchem Beruf, wie oft in der Woche ich Yoga einbauen könnte oder ob ich die 6 Kilo plus aus Corona Zeiten wieder loswerden würde….waren EGAL.

Nur zwei Dinge waren da in meinem Kopf: zum einen, ob ich Liebe um mich herum hätte in diesen Wochen oder Monaten, also echte, wahre Liebe, die man spürt, die nichts fordert und nichts braucht, einen einfach nur umhüllt und sicher fühlen lässt, damit ich in meinen letzten Tagen wirklich ganz ich selbst wäre UND dann war da noch meine Liebe zur Natur.

Jeden Tag würde ich mir – ungeachtet aller Pflichten-, die ja dann nicht mehr wichtig wären, einen grossen Moment Natur gönnen. Ich würde riechend und staunend durch den Wald laufen, mich ins Gras legen, würde in einem einsamen See schwimmen und staunen, was die Welt uns geschenkt hat. Ich würde versuchen, es nicht zu sehr zu bereuen, wie oft ich diesen so wichtigen Punkt übersehen habe und mit all meinen Sinnen geniessen. Ich würde noch einmal das Geräusch von Kuhglocken auf der Alm geniessen und das berauschende Gefühl nach einer anstrengenden Wanderung oben am Gipfel angekommen zu sein.

Ich weiss nicht einmal, ob ich meinen Kindern irgendwelchen langen Video- Abschiedsbotschaften schicken würde. Es existieren seit wir Handys haben so viele Filme von mir, dass ich nicht glaube, dass mich jemals jemand vergessen würde, ob er will oder nicht. Was ich hoffen würde, ist, dass meine Seele längst in ihren Abdruck bei den Kindern hinterlassen hat und sie sich nicht an eine gestresste, zu perfektionistische Mutter erinnern, sondern an einen Menschen, der das Leben liebt.

Als ich mit all diesen Gedanken durch war und mir vieles in diesem wunderbaren Buch notiert hatte, war mir ganz schön schwer ums Herz. Niemand will sterben, ich natürlich auch nicht, aber dieses Auseinandersetzen mit dem Tod macht so viel mit einem, gerade in diesen Zeiten, in denen ich täglich Angst habe, meine Mutter könnte krankwerden und ich sie nicht mal im Krankenhaus besuchen dürfen. Aber ich schweife ab, was ich eigentlich sagen will ist: ich beschloss ein für allemal festzulegen, wie ich beerdigt werden will.

Als ich den Kindern erklärte, dass ich NIE und in KEINEM Fall auf den Friedhof wollte, sondern verbrannt werden möchte, waren sie erst einmal empört. Verbrannt klingt ja auch irgendwie eklig in jugendlichen Ohren. Aber erstens will ich nicht in einen Sarg unter die Erde und zweitens möchte ich auch nicht, dass man mein Grab besucht. ich möchte, dass man sich an mich erinnert, weil man ein Foto siehst oder meine Stimme auf einem Film hört oder jemand ähnlich lacht oder was auch immer.

Nachdem der Verbrennungsschock erledigt war, durfte ich den Rest auch noch loswerden: alle für mich wirklich wichtigen Menschen sollten sich an einem schönen Tag am Starnberger See an einem Steg treffen. Mit einem Glas bayerischen Bier in der Hand und den Blick auf die Berge gerichtet dürfen sie meine Asche über diesen wunderbaren See streuen und wissen, dass mich das glücklich macht. Mit diesen durchaus positiven Gedanken schloss ich meinen Wunsch ab und sah in ein paar befremdete Gesichter.

Schnell wechselte ich das Thema und dachte, ich probiere es in ein paar Jahren nochmal. Irgendwann werden sie es verstehen, so wie ich es erst als junge Erwachsene verstanden habe, warum meine Mutter die Musik aus Jenseits von Afrika zu ihrer Beerdigung hören will. Mein Mann jedenfalls weiss Bescheid und scheint einverstanden. Nun muss ich aber erstmal wieder leben und die Rauhnächte im kommenden Jahr noch einmal neu angehen.

Da sind wir wieder – im Lockdown und keiner hat es gewollt

am besten nicht viel bewegen, vielleicht geht es dann schneller vorbei

Machen wir uns nichts vor, wir haben es alle kommen sehen. Die Zahlen stiegen und stiegen: in Frankreich, Tschechien, Spanien und wir haben gedacht: Wir Deutschen machen mal wieder alles richtig. Aber so läuft es nicht, wenn es um eine Pandemie geht, es ist kein Spiel, welches Land es besser oder schlechter macht. Wir alle müssen da durch und keiner freut sich. Die Kinder tragen seit Montag in Hamburg Maske, bekommen kaum Luft, sollen dann in der Pause die Maske absetzen, um wieder ganz kurz Luft zu bekommen. Dazwischen wird gelüftet, nur alle 20 Minuten jetzt. Nicht zu lang, nicht zu kurz, jeder Tag birgt neue Erkenntnisse und verwirft jene, von denen wir in der vergangenen Woche noch dachten, sie seien in Stein gemeisselt.

Die ersten Freunde sind an Corona erkrankt, einige leicht, andere schwerer. Es ist keine Krankheit aus der Zeitung mehr. Sie hat uns erreicht und wir verstehen, dass Corona jedes Mal anders verläuft.

Während wir den ersten Lockdown noch mit Humor und Lebensfreude angingen, denn immerhin ging es ja auch direkt in den Frühling hinein, bemerke ich jetzt selbst bei positiven Mitmenschen die Angst vor dem dunklen Winter. Was, wenn wir nun 6 oder 7 Monate gelockdownt sind? Woher noch den Antrieb nehmen, die Kinder zu motivieren, sich selbst zu motivieren? Wohin mit all der Einsamkeit, die auch schon normale alleinlebende Menschen ab Ende November in sich tragen? Fröhliche Corona Aperitifs, die wir mit Freunden auf Abstand im Garten hatten, weichen bei Minusgraden nun dem Hang gesund zu leben, um die Moral nicht zu verlieren. Meine neueste Bibel heisst: Heile deine Leber (Anthony William). Ab jetzt arbeite ich statt mit Gin Tonics, mit einem Entsafter. Die 2.Welle wird mich nicht kleinkriegen, sollte es eine Dritte geben, wird mir hoffentlich auch noch etwas einfallen.

Hätte ich die Kinder nicht, würde ich wahrscheinlich sehr viel lesen oder Serien gucken. Eventuell auch etwas vergammeln oder mir endlich eine Weiterbildung online organisieren, die mich wieder in das Arbeitsleben zurückbringt. Aber – wie ich schon so oft geschrieben habe- die Kinder sind die Leidtragenden der Pandemie und da ich sie liebe, suche ich Tag für Tag nach Lösungen, es ihnen leichter zu machen . Seit die Schule im August begonnen hat, hetzen die Lehrer durch den Lehrplan, eine Arbeit nach der anderen wird geschrieben, um nur ja ein paar ernstzunehmende Noten zu sammeln, falls, ja falls es wieder zum Lockdown kommt. In den letzten Tagen übten Lehrer mit uns welche Dateien, wie zu Hause hochzuladen sind und wieviel Stoff von zu Hause bewältigt werden kann. Wir sind eine Art Katastrophenschutzteam im Übungsmodus und bereiten uns wieder einmal auf den Ernstfall vor.

Ich persönlich möchte mich gerne verweigern. Ich schaffe es nur als Erwachsene halbwegs positiv zu bleiben. Das Glas ist halbvoll, halbvoll, halbvoll.

Wenn ich aber sehe, wie es den Kindern jetzt schon ergeht, wie ihre Sportstunden am Nachmittag gestrichen werden, sie jeden Tag neue Verordnungen zu verstehen versuchen und nebenbei dem Stoff vom letzten Jahr hinterherhinken (denn natürlich hat niemand gefragt, ob das eine oder andere Kind wirklich von Februar bis Mai alles verstanden hat zu Hause). Wie sie schlechte Noten nach Hause bringen und keinerlei Motivation mehr haben, weil die Perspektive düster ist für die kommenden Monate und ihre Mutter ihnen dennoch immer wieder erklärt, dass Handys übles Teufelswerk sind und sie doch bitte draussen spielen sollen, dann kann ich nur sagen:

Das Glas ist halbleer.

Sollte jemand eine Idee haben, wie wir es füllen können, ist er herzlichst eingeladen mir Ideen zu liefern.

Was soll der ganze Müll? 50 Dinge, die du tun kannst, um die Welt zu retten..

„Was soll der ganze Müll“ ist so ziemlich die beste Überschrift, die ich dieser Tage finden konnte. Eigentlich habe ich sie geklaut von einem Buch, auf das ich gleich zurückkomme, aber dieser Ausruf passt auch ganz gut zu unserer Situation hier. Manchmal denke ich, hättest du deinen Blog doch bloss nicht in „Daily Desaster“ umbenannt, das schreit ja geradezu nach Katastrophen, aber wer denkt in so einem Moment an so etwas? Niemand, genau!

In der Reihe der Katastrophen haben wir momentan einen multiresistenten Keim anzubieten, der bei meiner kleinen Tochter einfach nicht weggehen will und der neben Schmerzen und Ärger, vor allem auch mich auf Trab hält, da ich im Grunde fast alles, was sie anhat oder touchiert sofort waschen muss und das jetzt schon zum dritten Mal in Folge (losgegangen ist das Ganze im Juni). Handtücher, jeden Abend nach Desinfektionsdusche, Nachthemden, Bettwäsche und vieles vieles mehr, dazu Cremen, Abstriche beim Hautarzt und und und. Meine Mutter, die nach einer Woche Besuch wieder abgefahren ist, war sehr sehr vorsichtig mit Corona (und macht jetzt nach Rückkehr von uns sofort einen Test) aber was den MRSA Keim betrifft hat sein sich wenig Sorgen gemacht. Ich bete zu Gott, dass wir das mit ihr nicht zu locker genommen haben.

Neben all den Sorgen um Gesundheit, mache ich mir inzwischen auch Sorgen, wie unsere Familie weiter zusammenkommen soll. Völlig unvermittelt hat die Bundesregierung Paris und die Ile de France zum Risikogebiet erklärt. Mein Mann pendelt zwischen beiden Städten und weiss nicht, wie wir das jetzt machen sollen. Ankunft Donnerstag Abend, 5 Tage Quarantäne …dann Test, damit wären wir wieder bei Donnerstag, lohnt also nicht für einen Tag nach Paris zu fliegen, dann wieder Montag dorthin und dann wieder zehn Tage zu Hause? Wie soll das gehen? Hilfe, was machen andere Pendler in dieser Situation, wir brauchen Ratschläge, bislang stehen wir ideenlos vor dieser neuen, für uns ziemlich schwierigen Situation.

Apropos schwierig, eigentlich wollte ich ja über ein Buch schreiben, was mir neulich in meiner #Carlsen Blogger Kiste in die Hände gekommen ist. Wieder einmal lese ich ein Kinder bzw. Jugendbuch und muss feststellen, dass es Erwachsenen nicht schaden kann in die Kinderabteilung zu gehen. Bevor man seitenweise kluge Hinweise im Spiegel oder der FAZ zur Klimarettung liest, ist es manchmal eingängiger ein paar einfache Vergleiche zu verstehen. Zum Beispiel zum Thema Konsum (mir durchaus nicht fremd).

  • In Deutschland werden jedes Jahr etwa eine Million Tonnen Kleidung gekauft. 62-tausend Lastwagen voll Baumwolle,Nylon und Pailetten. Würde man sie anneinanderreihen ergäbe das eine LKW Schlange von Flensburg bis Innsbruck.
  • Allein die Produktion dieser Klamotten und dann diese zu waschen, gibt so viel CO2 an die Atmosphäre ab, wie Afghanistan und Simbabwe zusammen. UND: verbraucht genug Wasser, um alle Badewannen Grossbritanniens ZEHN Jahre lang jeden Tag zu füllen.

WAHNSINN. Und das war nur ein Punkt des Buches. Natürlich bieten sie Ideen an, wie wir es besser machen können, Klamotten tauschen zum Beispiel ist ein Trend, der immer mehr um sich greift, jetzt erst kapiere ich wie wichtig das ist. Ach und nicht jedes Mal die Toilette runterspülen, verbraucht viel zu viel Wasser…(und wenn kein Besuch kommt, geht das doch schon mal)

Benutze keine Plastiktüten mehr, nehme reglmässig dein Fahrrad , zieh die Vorhänge morgens auf, anstatt das Licht anzuknipsen, lasse nie den Kühlschrank offen stehen, bis zu 7 % seiner gesamten Energie verbraucht ein Kühlschrank bei dem Versuch die warme Luft herunterzukühlen, die durch das Öffnen der Tür hereingerauscht ist.

Auch interessant: Es ist gegenüber der Erde viel netter eine Geschirrspülmaschine zu benutzen, aber nur solange man Teller und Tassen NICHT vorher schon grob abspült. Ein normaler Maschinengang verbraucht nur 12 bis 15 Liter Wasser. Für das Vorspülen unter dem Wasserhahn können jedoch schockierende 22-tausend Liter pro Jahr draufgehen.

Für mich ist dieses kleine, feine Buch eine stetige Erinnerung daran, dass man es besser machen kann. Ein KaufMUSS für jeden.

So ich widme mich jetzt wieder der Keimsanierung. Das Kind durfte heute nicht in die Schule und muss versorgt werden. Draussen stürmt und regnet es und wir werden das Beste aus dieser Situation machen, wie auch aus jeder anderen Daily Desaster Situation. Schöner Scheitern für Fortgeschrittene, es wird Zeit dass ich das in den Homeschooling Plan mit aufnehme.